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mir scheint, als begännen raum und zeit mit der erkenntnis "ich bin" und der frage: „warum bin ich?" - diese frage zieht weitere fragen nach sich: –
warum bin ich, warum ist das andere.

[vielleicht ist das zu anthropozentrisch/egozentrisch gedacht. vielleicht ist auch ein kollektives „warum sind wir, warum ist das andere" möglich, ohne ein explizites ich-bewusstsein raum, zeit und kultur denkbar (...)?]
irgendjemand hat so die zeit erfunden. und den raum - den definierten raum, die begriffe hier und dort in bezug auf das gerade entdeckte "ich (wir?)" und die zeit als scheinbar fortlaufende konstante der existenz in diesem raum
es entsteht ein koordinatensystem mit dem individuum im schnittpunkt der achsen

in diesem neuen raum existier/t/en andere(s), zeitweilig in der nähe, somit wahrnehmbar, dann wieder woanders, nicht unmittelbar wahrnehmbar, aber nun trotzdem im koordinatensystem dauerhaft an genau definierbaren punkten vorhanden.

[es geschieht noch mehr: manchmal findet man etwas zu essen, manchmal findet man nichts. manchmal findet man solange nichts zu essen, dass gestorben wird. oder es wird gestorben, weil eine andere katastrophe passiert ist. ein unfall, schlechtes wetter, oder ganz einfach so. früher hat man diese dinge nicht wirklich wahrgenommen, sie passierten, man nahm sie hin und lebte (meistens) weiter.
nun gibt es erinnerungen. vorgestern war der andere noch da, heute ist er vom säbelzahntiger aufgefressen und nicht mehr da. das morgen geborene kind wird diesen anderen nicht kennenlernen.
(wen alles hat man selbst nicht kennengelernt? wen alles wird man nicht mehr kennenlernen, weil man selbst zum frühstück des säbelzahntigers geworden ist? oder weil es zu lange nichts zu essen gab?)
]

mit der erkenntnis „ich bin" ist fast untrennbar auch die erkenntnis „ich kann" verbunden. das individuum erkennt, dass es einen einfluss auf das geschehen um es herum hat, und das (zumindest teilweise) auch willentlich und gezielt einsetzen kann.
[wie könnte es also den säbelzahntiger beeinflussen, damit er den anderen (und vor allem es selbst..) in ruhe lässt? oder gibt es noch andere einflüsse, denen der säbelzahntiger gehorchen muss? oder das wetter? die sonne, die immer wieder auftaucht? oder die temperaturen, die sich zyklisch verändern?]
solange es noch keine zeit gibt, fallen derartige zusammenhänge nicht weiter auf.

nun aber wird beobachtet, dass alles gesetzmässigkeiten unterworfen ist, dass es immerwiederkehrende ereignisse gibt, und das nicht nur innerhalb des direkten unmittelbaren umfeldes. wenn man selbst „kann" und somit seine eigene existenz sowie die der lebewesen um einen herum beeinflussen kann, könnte es also sein, dass auch hinter phänomenen wie zeit, jahreszeit, wetter oder dem immer hungrigen säbelzahntiger ein einfluss steht? kann man selbst einfluss auf diese grösseren zusammenhänge nehmen?

an dieser stelle entsteht ein neues grösseres koordinatensystem mit der gedachten ursache der beobachteten phänomene im schnittpunkt seiner achsen.

an welchen koordinaten befinden sich die ursprünge der achsen der individuellen subsysteme?

was passiert, wenn auch das neue übergeordnete koordinatensystem sich als nicht der weisheit letzter schrei herausstellt? wird es ersetzt, oder entstehen nach und nach immer komplexere sub, sub-sub (...) systeme?

wie betrachten wir derartige koordinatensysteme? hat sich nicht hier schon ganz am anfang ein fataler fehler eingeschlichen?
um ein koordinatensystem erstellen zu können, müsste ich ausserhalb des zu definierenden systems/über den dingen stehen, die einzuordnenden sachverhalte von aussen betrachten können -
gut, wenn es sich nur um meine wenigkeit drehen soll, scheint das durchaus mit ein wenig vorstellungskraft möglich.
auch wenn ich meinen planeten oder mein sonnensystem definieren sollte, erscheint es denkbar, mich virtuell nach aussen zu begeben, und einen nullpunkt zu definieren.
kann ich mich auf die allgemeingültigkeit einer auf diese weise getätigten definition verlassen?
welchen wert hat eine solche definition?
welchen wert hat der gerade definierte nullpunkt?
ist er null, ist er statisch? oder rast er heimlich mit höchstgeschwindigkeit durch den kosmos?

offensichtlich kann ich noch nicht einmal eine klare allgemeingültige aussage über den räumlichen zustand meines nullpunktes (oder des meines planeten oder sonnensystems) treffen, die nicht mit dem hüpfer in eines der übergeordneten koordinatensysteme fröhlich ad absurdum geführt wird -
was passiert, wenn ich mit den definitionen der systeme in der grössenordnung des universums angekommen bin - aus dem ich noch nicht einmal gedanklich aussteigen kann, um es von aussen zu betrachten?

und wie ist das mit der geschwindigkeit, mit den entfernungen der punkte voneinander, wieviel zeit brauche ich tatsächlich, um von a nach b zu kommen, wie schnell habe ich mich wirklich fortbewegt, wenn ich nicht mehr sicher sagen kann, wo sich b zum zeitpunkt meiner ankunft tatsächlich befindet?
[und nebenbei verschwindet auch noch die als sicher geglaubte fortlaufende konstante "zeit" im durcheinander der subsysteme..]


fortsetzung. folgt.

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